Die Kraft der Achtsamkeit: Bewusst im Moment ankommen
Sensitivität entsteht durch das Zusammenspiel aller Sinne. Je mehr wir über unsere Sinne bewusst wahrnehmen und verarbeiten, desto sensitiver sind wir.
Hochsensible Menschen verarbeiten von Natur aus mehr Reize bewusst als nicht hochsensible Menschen. Beide können jedoch auf unterschiedliche Weise vom Achtsamkeitstraining profitieren.
Achtsamkeit beschreibt das bewusste Wahrnehmen des Körpers und seiner Funktionen. Dazu gehören unsere äußeren Sinneseindrücke, aber auch die Interozeption – also die Wahrnehmung von Signalen aus dem Körperinneren. Dazu zählen beispielsweise der Herzschlag, die Atmung oder Empfindungen wie Hunger, Durst und Müdigkeit, die uns auf die Bedürfnisse unseres Körpers aufmerksam machen.
Wie Achtsamkeit bei Hochsensibilität helfen kann
Hochsensible Menschen können besonders von Achtsamkeit profitieren. Da ihr Nervensystem viele Reize gleichzeitig bewusst verarbeitet, kann es hilfreich sein, den Fokus gezielt auf einen oder wenige Sinne zu legen. Dadurch treten andere Wahrnehmungen in den Hintergrund und das Nervensystem kann zur Ruhe kommen.
Gleichzeitig wird die aktuelle Situation des Körpers bewusster wahrgenommen. Vielleicht fällt ein Ohrrauschen auf – ein mögliches Zeichen dafür, dass das Nervensystem unter Stress steht oder viele Reize verarbeitet hat. Auch ein erhöhter Puls, eine flache Atmung oder verspannte Schultern können Hinweise darauf sein, dass der Körper Ruhe braucht.
Achtsamkeit hilft dabei, diese Signale frühzeitig wahrzunehmen und ihnen bewusst Aufmerksamkeit zu schenken.
Durch Achtsamkeit die Sensitivität fördern
Achtsamkeit hilft jedoch nicht nur hochsensiblen Menschen. Auch durchschnittlich sensitive Menschen können mithilfe von Achtsamkeit den Fokus bewusst auf ihren Körper und dessen Bedürfnisse richten.
Während hochsensible Menschen im Alltag häufig sehr viele Reize wahrnehmen, können durchschnittlich sensitive Menschen durch Achtsamkeit lernen, ihre Wahrnehmung zu trainieren. Sie richten ihre Aufmerksamkeit bewusst auf ihre Sinne und nehmen dadurch immer mehr Details ihrer Umwelt und ihres Körpers wahr.
Durch gezielte Achtsamkeitsübungen kann die bewusste Wahrnehmung gefördert werden. Mit der Zeit entsteht ein feineres Gespür für den eigenen Körper, seine Signale und die Umwelt.
Durch Achtsamkeit die Sprache des Körpers verstehen
In beiden Situationen geht es darum, den Fokus bewusst auf den eigenen Körper und seine Bedürfnisse zu richten. Denn nur wenn die Signale des Körpers wahrgenommen werden, kann eine harmonische Verbindung zu sich selbst entstehen.
Der eigene Körper ist ein Teil von uns und begleitet uns jeden Moment unseres Lebens. Trotzdem gerät diese Verbindung in unserer westlichen Kultur häufig in den Hintergrund. Wenn vom Selbst gesprochen wird, wird oft vor allem der Geist betrachtet. Dabei ist der Geist untrennbar mit dem Körper verbunden, denn ohne den Körper kann unser Geist in dieser Welt nicht wahrnehmen, handeln oder Erfahrungen sammeln.
Wenn Körper und Geist miteinander verbunden sind, fällt es leichter, die eigene innere Stimme wahrzunehmen und der eigenen Intuition zu folgen.
Eine kleine Übung für deine Sinne
Die eigene Sensitivität kann durch gezielte Achtsamkeitsübungen bewusster wahrgenommen und reguliert werden. Besonders für hochsensible Menschen kann es hilfreich sein, die Aufmerksamkeit bewusst auf einzelne Sinneseindrücke zu lenken. Gleichzeitig können auch Menschen, die ihre Wahrnehmung stärken möchten, von dieser Übung profitieren.
Suche dir einen ruhigen Ort – am besten in der Natur. Der Wald eignet sich besonders gut für diese Übung. Suche dir einen schönen Platz und komme dort langsam zur Ruhe.
Schließe deine Augen und nimm für einen Moment deine Umgebung bewusst wahr.
🌿 Was hörst du?
Richte deine Aufmerksamkeit auf ein einziges Geräusch. Nur auf dieses eine.
🌿 Was riechst du?
Nimm einen einzigen Duft ganz bewusst wahr.
🌿 Was spürst du?
Fühle zum Beispiel die Baumrinde, auf der du sitzt oder den Wind auf deiner Haut.
Spüre anschließend nach, wie es dir geht.
Hat sich dein Puls verändert?
Wie fühlt sich deine Atmung an?
Hat sich die Muskulatur in deinen Schultern entspannt?
Nimm einfach wahr, was gerade da ist.
Fazit
Achtsamkeit hilft dabei, die eigene Sensitivität bewusster wahrzunehmen und mit ihr umzugehen. Durch die gezielte Aufmerksamkeit auf die Sinne und die Signale des eigenen Körpers entsteht eine tiefere Verbindung zu sich selbst.
Hochsensible Menschen können lernen, ihre Wahrnehmung bewusst zu lenken und ihrem Nervensystem Ruhe zu schenken. Menschen mit einer durchschnittlich sensitiven Wahrnehmung können durch Achtsamkeit ihre Sinne bewusster einsetzen und die Signale ihres Körpers besser verstehen.
In beiden Fällen unterstützt Achtsamkeit dabei, die Sprache des eigenen Körpers wahrzunehmen und achtsamer mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen.